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Virtuose Tonzauberer

Strahlend und wohlgerundet liegt er da in seinem Viereck, der Täufling, glänzendes Erfolgserlebnis lustvollen Bemühens. Und gar schon das zweite Kind seiner noch jungen Eltern ist er, haben sie sich doch auf den Tag genau erst vor fünf Jahren zu ebensolchem Tun zusammengefunden, die virtuosen Tonzauberer des «Scafusia Jazz Orchestra». Ihr Sprössling ist eine wohlgeratene Tochter, denn eine CD ist bei uns weiblich, und eben diese wurde am Samstagabend im Park Casino von «Pfarrer» Rolf C. Müller wortreich getauft.

Diese CD-Taufe war Anlass für einen furiosen Jazzabend, bei dem die Musiker und die Musikerin der Scafusianer zeigen konnten, was sie so alles drauf hatten. Und das war einiges, was Marcel Schellenberg (tp, flh, voc), Beat Inderbitzin (cl, sax, voc), Joachim Tillmanns (tb, voc), Vreni Wipf (p), Heinz Kehrer (g, bj, voc), Eddie Davies (b, voc) und Bernie Ruch (dr) dem Publikum vorzuweisen hatten. 

Aus den goldenen Zwanzigern stammten die Stücke. Dem Kenner sagen solch klassische Titel wie «Dippermouth Blues» oder «Black and Blue» viel, aber auch Nichtfans trafen bei vielem auf Bekanntes. Rhythmus und Swing erfüllten den voll besetzten Raum, dass einem die Füsse zucken mochten. Dazu das immer wieder beklatschte Ritual der wechselnden Solisten. 

Wer geniesst nicht solche rhythmischen Feinheiten wie etwa in «Chicago», wo einem flotten Vierertakt sich ein leicht verschobener auftaktiger Dreierrhythmus rumbaähnlich überlagert - eben so, wie man «Chicago» sagt. Eine strenge Akkordfolge bildet das harmonische Fundament - die Jazzer haben dazu eine eigene Kurzschrift entwickelt - und darüber eine unglaubliche melodische Freiheit, oft atonal chromatisch, aber rhythmisch eingebunden, dann aber wieder strenge Parallelität in den Riffs, dies alles erzeugt eine süchtig machende Wirkung. Sagenhaft virtuos ein endlos langes Drumsolo von Bernie Ruch, getrieben von einem schnellen, geraden Schlag, durchsetzt von Trommelwirbeln, polyrhythmischen Einlagen - das war unglaublich mitreissend. 

Damit aber nicht genug. Nur als Vortruppe wollten die Scafusianer sich verstanden wissen, denn den zweiten Teil bestritten «The Swing Cats» mit dem Weltklasse-Posaunisten Dan Barrett und der Sängerin Shaunette Hildabrand. «Whispering», unfassbar die Eleganz im Spiel von Dan Barrett, differenziert, weich einsetzend, locker, leicht und doch eindringlich, dabei souverän präzis.

Da sitzt jeder Ton, Blue Notes gezogen, geschoben, einfach grossartig. «Tea for Two», Shaunette Hildabrands Stimme wirkt wie ein Aphrodisiakum, erotisch, elegant, variabel und bis ins Detail beherrscht, und all das ohne Verstärkung. «Bei mir bist du scheen», da war wirklich nichts to explain, da musste man sich nur mitziehen lassen. Musiker verstehen sich, und so gab es dann noch ein gemeinsames Finale «dans les rues d'Antibes», wonderful and thank you so much!

Quelle: Schaffhauser Nachrichten 16. Feb.04
Autor: Manfred Zürcher